Werksführung MAN: E-Mobilität auch bei schweren Nutzfahrzeugen kurz vor dem Durchbruch

Elektrischer Antrieb und Digitalisierung machen LKWs und Busse ökologischer und günstiger

06.02.2018

Ob in 15 oder 30 Jahren im Werk von MAN in Karlsfeld bei München noch Busse und LKWs mit einem Dieselmotor gebaut werden? Im Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern von MAN war schnell klar: Dieses Unternehmen hat die Chancen der Elektromobilität im Nutzfahrzeugbereich erkannt und macht sich an die Umsetzung: Ende 2019 gehen die E-Busse in Serie. Die ökonomischen Vorteile liegen für kommunale Verkehrsbetriebe auf der Hand: Die Anschaffung von E-Bussen rechnet sich dank öffentlicher Förderung schon nach der Hälfte der Lebenszeit gegenüber Diesel-Bussen. In wenigen Jahren – davon geht man auch bei MAN aus - wird der Tipping-Point erreicht sein, ab dem E-Busse auch ohne öffentliche Anschubförderung günstiger sein werden, da die Batteriepreise bereits im Sinkflug begriffen sind. Ökonomie meets Ökologie, mal wieder!

Und die Reichweite? Im typischen Alltag eines Stadtbusses genügt bereits die aktuelle Batteriekapazität vollkommen. Beim Lieferverkehr konzentriert man sich für den Anfang ebenfalls auf das städtische Einsatzgebiet: Schon jetzt läuft ein Modellprojekt mit einem Paketzusteller, der mit einem großen LKW in die Innenstadt fährt und ab dort Lastenräder die letzte Meile übernehmen lässt. Elektrische Antriebe sind nicht nur in Punkto Feinstaub- und Stickstoffbelastung klar im Vorteil, sondern auch, weil sie so leise sind. Bei MAN denkt man bereits an neue Liefermodelle, wo leise LKWs schon frühmorgens vor der Stoßzeit die Geschäfte beliefern können und so den morgendlichen Verkehr entlasten.

Eins steht bereits fest: Innovative E-Antriebe bei LKWs und Bussen sind ein Teil der Lösung der Abgas- und Lärmprobleme der deutschen Großstädte! Aber werden sie auch unser Klimaproblem lösen? Noch hinkt der Ausbau der Erneuerbaren Energien hinterher, weil Union, SPD und FDP beim Ausbau mächtig aufs Bremspedal gedrückt haben. Auch MAN sieht hier die Politik gefragt – doch eine Beschleunigung der Energiewende auf ein Tempo, mit dem wir den Klimawandel noch stoppen können, die wird es wohl nur mit den Grünen geben.

Dabei hätte ein Deutschland, das weltweit für Energiewende und Innovationen steht, enormen Vorbildcharakter. Spannend sind in diesem Zusammenhang die Chancen, die MAN für seine Produkte und Kunden in der Digitalisierung und im automatisierten Fahren sieht: Zu Beginn wird es erst einmal um die Verbesserung der Verkehrssicherheit und die Entlastung der Fahrerinnen und Fahrer gehen. Ein ausgereiftes Platooning, wo LKWs z.B. auf der Autobahn digital vernetzt in dichter Reihe hintereinander fahren, wird nicht nur Energiekosten senken und Unfälle vermeiden, sondern könnte perspektivisch auch andere Lenkzeiten ermöglichen. Komplett fahrerlos wird man hingegen fürs Erste nur auf abgegrenzten Betriebsgrundstücken unterwegs sein.

Die Nutzfahrzeugindustrie und die gesamte Logistikbranche stehen mit der Digitalisierung und der Elektrifizierung der Antriebe vor großen Umbrüchen. Es ist höchste Zeit, dass wir die Chancen in die Hand nehmen und diese Trends so gestalten, dass Natur, Mensch und Gesellschaft davon profitieren – damit auch in 30 Jahren noch in Karlsfeld Busse und LKWs produziert werden.