Bits’n’Bauernhof: Wie soll die Digitalisierung der Landwirtschaft aussehen?

20.01.2018

Pestizide, Überdüngung, Antibiotikaeinsatz, Monokulturen und industrieller Massentierhaltung - Landwirtschaft, wie wir sie aktuell betreiben, entzieht uns langfristig unsere eigenen Lebensgrundlagen. Als Grüne kämpfen wir - zusammen mit vielen Verbänden, Initiativen und engagierten Bürgerinnen und Bürger - seit Jahren für eine andere Agrarpolitik, für eine andere Landwirtschaft, beispielsweise auf der heutigen "Wir haben es statt!"-Demo in Berlin.

Eine Chance für eine Landwirtschaft, die die Umwelt weniger belastet, könnte Smart Farming sein. Durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien findet derzeit in der Landwirtschaft - ähnlich wie in anderen Wirtschaftsbereichen - eine grundlegende Revolution statt. Ferngesteuerte Drohnen, die Rehkitze im Korn aufspüren oder intelligente Sensorik, die helfen, den Einsatz von Pesitiziden und Dünger zu reduzieren, könnten unsere konventionelle Landwirtschaft weniger umweltbelastend machen. Fitness-Tracker im Stall könnten helfen, Krankheiten bei Tieren schneller zu erkennen und so den Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung zu reduzieren.

Ende letzten Jahres war ich zusammen mit meinen Bundestagskollegen Uwe Kekeritz und Stefan Schmidt zu Gast beim Bayerischen Bauernverband, im Gespräch mit dem neuen Verbandspräsidenten Georg Wimmer. Dass es zwischen Bauernverband und Grünen viel Trennendes gibt, ist bekannt. Aber gerade deshalb ist es wichitg, auch nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Und einig waren wir uns zum Beispiel über das große Potenzial von Smart Farming.

In der aktuellen Sitzungswoche hat nun die FDP-Fraktion einen Antrag zur Digitalisierung in der Landwirtschaft in den Bundestag eingebracht. Trotz der vereinzelten Erwähnung des ökologischen Potenzials aus grüner Sicht kein großer Wurf - stand doch hier vorranig die Effizienzsteigerung der bestehenden konventionellen Landwirtschaft im Fokus. Mein Kollege Harald Ebner hat dazu im Plenum gesprochen. Bei aller Begeisterung über neue Möglichkeiten durch Smart Farming muss uns klar sein: Die Digitalisierung der Landwirtschaft ist kein Selbstzweck, kann aber ein Instrument, um den Umbau der Landwirtschaft voranzubringen.

Es ist gut, wenn wir Pestizidmengen mit digitalen Techniken deutlich reduzieren können. Aber das ist eben nur ein Herumdoktern am falschen System. Wenn wir den Gesundheitszustand der Tiere per Sensor überwachen, dann ist das gut, aber eben noch lange keine artgerechte Tierhaltung.

Das wirkliche Potenzial neuer oder digitaler Technologien werden wir nur ausschöpfen können, wenn wir über die heutige Art der Landwirtschaft hinausdenken. Wir sollten uns eben nicht damit begnügen, Pestizide gezielter auszubringen. Es muss das Ziel sein, weitgehend ohne Pestizide zu wirtschaften - aber natürlich ist alles, was hilft, Pestizidmengen zu reduzieren, erst mal gut.

Mein Vorhaben für die neue Legislaturperiode: für die verschiedenen Politikfelder und Fachbereiche durchdeklinieren, welches ökologische Potenzial die Digitalisierung bringen kann. Bits’n’Bauernhof - die Digitalisierung der Landwirtschaft wird dabei ein Thema sein. Die Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft, die lassen sich nicht mit mehr Daten beseitigen. Aber es gibt viel Potential, mit mehr Daten, kluger Steuerung und intelligenten Systemen die ökologische Transformation zu unterstützen und zu beschleunigen, und diesen Nutzen auch den kleinen bäuerlichen Betrieben zugänglich zu machen.

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