Natur und Kulturlandschaft bedroht - in Bayern verschwinden pro Tag Flächen in der Größe von 18 Fußballfeldern

10.07.2017

Verliert Bayern sein Gesicht? Und wird München zum strukturlosen Siedlungsbrei? Darüber habe ich am 25. Juni auf Einladung der Grünen im Münchner Westen mit Ludwig Hartmann, dem grünen Fraktionschef im Landtag und Katrin Habenschaden, der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Stadtrats-Grünen, gesprochen. Anschließend ging es auf eine gemeinsame Würm-Radtour. Hier der Veranstaltungsbericht.

Beim Flächenverbrauch ist Bayern leider einsame Spitze in Deutschland. Täglich verschwinden Flächen in der Größe von 18 Fußballfeldern unter Beton und Asphalt – und jetzt will die CSU-Staatsregierung die Regeln noch weiter lockern.”, führt Hartmann eingangs aus. Dabei bedrohe der ausufernde Flächenfraß unsere Natur, unsere gewachsenen Kulturlandschaften und unsere Landwirtschaft. Umgehungsstraßen, Hotelburgen oder Discounter verdrängen Wälder, Wiesen und Felder. Gleichzeitig veröden die Ortskerne im ländlichen Raum.

Aber nicht nur im ländlichen Bayern ist das Thema Flächenverbrauch ein heißes Eisen. Durch den starken Zuzug werden in München Flächen zur absoluten Mangelware. “In einer dichter werdenden Stadt müssen wir die Frage nach einer gerechten Flächenverteilung neu stellen. Wie viel Platz benötigt beispielsweise das Automobil? Rund 700.000 PKW sind in München angemeldet, die meisten stehen den Großteil des Tages unbewegt rum und benötigen Parkplätze – Flächen, die wir anders nutzen könnten, für Bäume, Wohnflächen, Spielplätze oder Radwege” erläuterte Janecek.

Für die Stadtrats-Grünen machte Katrin Habenschaden klar, dass es in Zukunft keinerlei Flächenverschwendung mehr geben kann. “Anstatt neue Gewerbeflächen auszuweisen besser die bestehenden umstrukturieren – da ist noch viel Potenzial. Die bebaubaren Flächen, die wir noch zur Verfügung haben, brauchen wir vor allem für den Wohnungsbau. Und was klar sein muss: Grünflächen sind tabu. Besser mal ein oder zwei Etagen draufsetzen, als Grünflächen zubetonieren.

Im Anschluss an die Diskussion starteten Dieter Janecek, Ludwig Hartmann und rund ein Dutzend mit regenfester Kleidung ausgestattete Radlerinnen und Radler zur grünen Radtour entlang der Würm nach Norden. Die Würm als Naturidyll und Naherholungsraum ist gerade für den Münchner Westen mit seinem starken Bevölkerungswachstum von großer Bedeutung. Romanus Scholz, BA-Vorsitzender von Pasing-Obermenzing erläuterte Historisches zur Blutenburg und zur Renaturierung der Würm, Markus Edelberg vom örtlichen Fischereiverein informierte über die Gewässerökologie und Falk Lamkewitz aus dem Bezirksausschuss Allach-Untermenzing führte durch das ehemalige Allacher Sommerbad und schilderte das jahrelange zähe Ringen um die Renaturierung.

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