Ehe für alle – das geht uns alle an! - Beitrag von Cem Özdemir und Dieter Janecek

27.06.2017

Erschienen als Gastbeitrag in der GRETA, dem Mitgliedermagazin der Münchner Grünen, Anfang Juni 2017

Wir schreiben das Jahr 2017. Die Mehrzahl der westlichen Demokratien hat die Ehe für alle eingeführt, selbst traditionell katholisch-konservative Länder wie Irland sind dabei, die USA, Spanien, Brasilien, Argentinien. Deutschland tut sich derweil schwer, zumindest die deutsche Politik. Und das nur, weil die SPD mutlos ist, sich die Union querstellt, Bauchgrummeln hat, sich um ihr konservatives Profil sorgt, statt der übergroßen Mehrheit der Menschen im Land zu folgen. In Umfragen befürworten 80 Prozent der Menschen die Ehe für alle. Höchste Zeit, dass Deutschland die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren bei der Eheschließung beendet.

Wieso ist die Ehe für alle so wichtig? Wieso sagen wir beide, als verheiratete heterosexuelle Männer, als Väter, das geht auch uns was an? Ganz einfach: Es geht um gleiche Rechte für gleiche Liebe! Und die müssen in unserer Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit sein und nicht von sexueller Identität abhängen. Die Ehe für alle ist kein Thema für “eine schrille Minderheit”, wie ein ehemaliger CSU-Generalsekretär mal äußerte. Nein, das geht unsere Gesellschaft als Ganzes an – und sagt etwas darüber aus, wie ernst wir es meinen im Kampf gegen Diskriminierung. Gerade die Union, die so gerne vom Schutz von Ehe und Familie spricht, sollte sich doch darüber freuen, wenn Menschen heiraten wollen!

Übrigens sind wir Grünen, nur weil wir uns für die Ehe für alle einsetzen, noch lange nicht der Meinung, dass allein die Ehe selig machend ist. Die Leute sollen schlicht selbst entscheiden, ob sie für ihr Zusammenleben einen Trauschein wollen oder nicht. Weiterhin gilt: Familie ist dort, wo Kinder sind – ganz unabhängig davon, welche sexuelle Identität die Eltern haben. Familie ist dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Wir wissen längst, dass Kinder in Regenbogenfamilien genauso glücklich aufwachsen wie Kinder in “klassischen” Familien. Diskriminierung beim Adoptionsrecht kann es deshalb keinesfalls geben.

Eines sollten wir Grüne auch selbstbewusst nach außen tragen: Wir sind das Original. Für die Ehe für alle, für gleiche Rechte für alle Menschen, unabhängig ihrer sexuellen Identität, stehen wir! Dass wir heute gesellschaftlich überhaupt so weit gekommen sind, hat doch ganz wesentlich mit uns, der grünen Regierungsbeteiligung zwischen 1998 und 2005, mit dem unermüdlichen Engagement eines Volker Becks und vielen anderen zu tun. Und es war 2001, bei den Verhandlungen zum Lebenspartnerschaftsgesetz nicht so, dass die SPD, die sich mit Martin Schulz heute als Vorkämpferin für die Ehe für alle zu inszenieren sucht, da Feuer und Flamme war. Dass die Türe hier überhaupt mal aufgestoßen wurde, das bleibt ein grünes Verdienst. Und weder die SPD noch die FDP haben in Regierungsverantwortung der letzten zwölf Jahre große Fortschritte vermelden können. Grün ist das Original, auch 2017.

Eines muss uns aber auch klar sein. Die Ehe für alle bedeutet die rechtliche Gleichstellung und ist damit auch die Basis für eine Gesellschaft ohne Homophobie, Hass und Ausgrenzung. Wenn wir die Ehe für alle 2018 einführen, mit starken Grünen in der Bundesregierung, dann werden Homophobie und Hass nicht automatisch verschwinden, da wartet noch ein gutes Stück Arbeit auf uns. Für die offene Gesellschaft, in der niemand bevormundet wird, müssen wir kämpfen – täglich, auch in Zukunft.

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