Happy #oneversary #WirVsVirus Hackathon! Was hat sich getan, was wurde versäumt?

Die Bundesregierung hat mit dem Hackathon #WirVsVirus im März 2020 viel Show gemacht. Die Umsetzung und Unterstützung der Ideen lässt hingegen zu wünschen übrig. Gute Ideen haben es nicht geschafft, in die Fläche zu kommen.

Ein Jahr ist verstrichen. Ein Jahr der verpassten Chancen.

Förderung zu kurz gedacht

Über die Antwort auf eine schriftliche Frage kam heraus, dass für #WirVsVirus insgesamt nur mehr als 4 Mio. € vom Bund investiert wurden, davon 1,6 Mio. € allein für Prototypenförderung durch das BMBF (nur zum Vergleich: Die Entwicklung einer Corona-Warn-App ließ sich der Bund ca. 7,15 Mio. € kosten, plus Werbekosten mindestens in Höhe von weiteren 7,5 Mio. €). Von den anfänglich ca. 1.500 Ideen, die beim Hackathon entwickelt wurden, sind 34 Projekte aus diesem Geldtopf heraus gefördert. Ein Hackathon funktioniert sicherlich ganz im Sinne des entrepreneurial Silicon Valley Mantra ‘Fail Fast’ und deshalb ist auch eine Erfolgsquote von rund 10 Prozent der digitalen Lösungen nicht allzu schlecht. Aber diese Quote ist in erster Linie nicht unbedingt den Spendierhosen des Bundes zu verdanken. Neben den 34 Projekten, gefördert durch die öffentliche Hand, entstand parallel nämlich via crowd-funding ein #WirVsVirus-Matchingfonds, durch den weitere 109 Projekte unterstützt werden konnten.

Und doch: zu träge, zu langsam! Viel Tamtam und wenig dahinter. Während die Ergebnisse aus dem Hackathon größtenteils versandet sind und nun schon wieder viel Energie in das nächste Projekt #UpdateDeutschland fließen, bleibt uns die Bundesregierung eine akute, schnelle Herangehensweise schuldig. Mehr noch: die Neuauflage #UpdateDeutschland läuft wieder unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzleramtes, ohne dass dieses bisher Angaben zu Fördergeldern oder einer Perspektive über den Hackathon hinaus gemacht hat. Klingt fast mehr nach einem Marketing Coup, als nach ambitionierter Umsetzung.

Mit besseren Rahmenbedingungen hätte #WirVsVirus noch mehr Wirkung entfalten können!

#WirVsVirus hat gezeigt was machbar sein könnte, wenn die Potenziale und Ideen eines Hackathons denn auch wirklich ausgeschöpft worden wären. Beispielsweise konnte für die Krisenbewältigung die Software der Gesundheitsämter SORMAS verbessert werden oder der Chatbot für Kurzarbeitergeldanträge UDO wurde von der Bundesagentur für Arbeit auf deren Webseite integriert. Mit besseren Rahmenbedingungen hätte #WirVsVirus noch mehr Wirkung entfalten können. Zu dem Schluss wird auch etwa die Begleitstudie der Leuphana Universität Lüneburg und Hertie School kommen, die vorab erste Ergebnisse im Rahmen eines Policy Roundtable veröffentlichte (siehe hier: https://www.hertie-school.org/en/news/news/detail/content/hertie-school-and-leuphana-university-lueneburg-to-study-collaborative-hackathon-wirvsvirus-endorsed-by-german-chancellery)

Technologie Task Force

#WirVsVirus hat uns gezeigt was mit vergleichbar wenig Mitteln bereits möglich war – auch weil eine enorm engagierte Zivilgesellschaft dabei war. Auch in Zukunft müssen wir diese Spiel- und Denkräume zulassen und anregen, finanzielle Förderungen bereitstellen und nach dem Startschuss nicht lockerlassen. Ein Plan für eine schnelle und gezielte Anschlussfinanzierung für erfolgreiche innovative Projekte und Organisationen gehört dazu.

Um auf Krisen schnell und agil reagieren zu können, müssen wir technologische Innovationen besser umsetzen können, als das aktuell möglich ist. Dafür haben wir als Grüne Bundestagsfraktion schon im Frühjahr vergangenen Jahres eine Technologie Task Force vorgeschlagen (siehe Antrag), die auf ein Digitalbudget zugreifen kann, um neue Ideen schnell in die Umsetzung zu bringen.

Aufgaben der Corona Technologie Task Force:
  1. Bündelung und Begleitung technologischer Innovationsprozesse, bzw. Unterstützung ihrer Umsetzung. Überblick über technologischen Neuerungen, die in der Gesellschaft gebraucht werden und welche Lösungen Entwickler*innen dafür bereitstellen.
  2. Die TTF sollte divers und interdisziplinär zusammengesetzt sein und mit der Begleitung von unmittelbaren und mittelfristigen technologischen Lösungen beauftragt werden – langfristige Strukturprojekte liegen weiterhin regulär bei den Ministerien.
  3. Die Technologie Task-Force ist Ansprechpartnerin für Innovator*innen, die ihre Ideen und technische Lösungen für die Gesellschaft bereitstellen und zum Laufen bringen wollen und vernetzt die Ministerien untereinander.
  4. Kurzfristige Projektförderung über das von uns geforderte Digitalbudget (500 Mio. Euro).
  5. Themenspezifische Innovationsteams in den Ministerien einrichten und diese untereinander vernetzen.

Wenn die Bundesregierung schon nicht den Vorschlag einer agilen Technologie Task Force aufnehmen möchte, dann sollte sie zumindest aus den Versäumnissen bei #WirVsVirus ihre Lehren ziehen. Bei #UpdateDeutschland sollte verstärkt darauf geachtet werden, dass gute Vorschläge tatsächlich aufgegriffen und danach auch in die Fläche kommen.