Können sich unverheiratete binationale Paare endlich wiedersehen?

Noch immer sind viele Menschen, die sich lieben, voneinander getrennt, weil dem Partner oder der Partnerin die Einreise verwehrt wird. Die Corona-Pandemie ist eine Belastung für uns alle, weltweit. Eine besondere – und mit Blick auf die Eindämmung des Infektionsgeschehens unnötige – Belastung entsteht für unverheiratete binationale Paare, die in unterschiedlichen Staaten leben. 

Auf großen überparteilichen Druck hin hat zwar das Bundesinnenministerium unter Horst Seehofer im August endlich auch für unverheiratete binationale Paare die Möglichkeit eröffnet, sich nach Monaten der Trennung endlich wiederzusehen. Vielen Paaren hat diese Entscheidung sicherlich geholfen, andere bleiben weiterhin voneinander getrennt.

In der Realität scheitert ein Wiedersehen häufig an bürokratischen Hürden. So ist beispielsweise ein früherer Aufenthalt des ausländischen Partners oder der ausländischen Partnerin in Deutschland oder ein früherer gemeinsamer Wohnsitz im Ausland eine notwendige Voraussetzung, damit eine Einreise gestattet werden. Unsere europäischen Nachbarn, Beispielsweise Dänemark, sind da teils deutlich praktischer, dort reichen auch gemeinsame Urlaubsfotos oder Hotelbuchungen. 

Mein Büro erreichen seit Monaten eine große Zahl von Zuschriften betroffener Paare. Da ist der Münchner, der in den letzten Jahren geschäftlich regelmäßig auch längere Zeit in China war, dessen chinesischer Partner aber nicht nach Deutschland einreisen darf – und das obwohl die gesamte Volksrepublik China täglich eine geringere Zahl an Neuinfektionen zu verzeichnen hat als manche Stadt oder mancher Landkreis in Deutschland. 

Oder eine Einreise des Partners oder der Partnerin scheitert daran, dass im zuständigen deutschen Konsulat vor Ort kein Termin zu bekommen ist. Die Visumserteilung bei unverheirateten Paaren wird nämlich nicht als dringend eingestuft, wegen der Corona-Pandemie werden aber nur in dringenden Fällen Termine vergeben. 

Selbst eine Einreise zum Zweck der Eheschließung bei verlobten Paaren kann an bürokratischen Hürden scheitern, da die für eine entsprechendes Visum notwendig Deutschprüfung vielerorts nicht abgelegt werden kann, eine virtuelle Prüfung aber nicht vorgesehen ist. 

Das für die Erteilung von Visa zuständige Auswärtige Amt kann aber keinerlei Auskunft darüber geben, wie viele Paare betroffen sind, wie eine schriftliche Anfrage an die Bundesregierung offenlegt. Enttäuschend. 

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