Hilft es dem Klima, wenn Flugzeuge und Schiffe langsamer fahren? – Bundesregierung ahnungslos

Dass ein Tempolimit im Straßenverkehr eine vernünftige Sache ist, sowohl für die Verkehrssicherheit als auch für den Klimaschutz, ist weitgehend bekannt – sieht man mal von der CSU ab, die Rasen als Gebot des gesunden Menschenverstands versteht. Inzwischen ist sogar der ADAC, der nicht gerade als autofeindlich gelten kann, einem Tempolimit auf der Autobahn gegenüber aufgeschlossen

Aber helfen niedrigere Geschwindigkeiten auch im Flug- und Schiffsverkehr, CO2-Emissionen einzusparen? Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung hierzu vor? 

 

Bringt langsameres Fliegen etwas für den Klimaschutz?

 

Die kurze Antwort: Die Bundesregierung hat hierzu keine Erkenntnisse. Das teilte das Bundesverkehrsministerium Anfang des Jahres auf Anfrage mit. Dabei klingt die Sache durchaus spannend. Physikalisch ist klar, dass der Energieaufwand mit höherer Geschwindigkeit steigt.

 

Aber wie sieht das Potenzial für den Klimaschutz durch langsameres Fliegen in der Praxis aus? Dieser Frage ging Ende letzten Jahres die Wirtschaftswoche in einem Beitrag mit dem Titel nach im Beitrag “Ein Tempolimit am Himmel könnte dem Klima helfen”. Darin plädierte Prof. Robert Sausen, der Leiter des Instituts für Physik der Atmosphäre am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, dafür langsamer zu fliegen, zumindest bei Inlandsflügen. 

Die längeren Flugzeiten wären für die Fluggäste kaum spürbar, so Prof. Sausen. Er rechnet bei Inlandsflügen von zehn zusätzlichen Flugminuten. Auf der europäischen Mittelstrecke würde es dann vielleicht 20 Minuten länger dauern, um den Zielflughafen zu erreichen. An der Frage, ob sich durch Langsamflug beim Landen die Lärmbelastung für Flughafen-Anwohner reduziert lässt, forscht das DLR übrigens schon länger. Bereits vor einigen Jahren vermeldete Ryanair, durch geringfügig langsameres Fliegen bis zu 15 Prozent Kerosin einsparen zu wollen. Die Rede war von lediglich zwei zusätzlichen Flugminuten pro Flugstunde. 

Natürlich dürfte es in Realität nicht banal werden, Fliegen mit reduzierten Geschwindigkeiten umzusetzen, schließlich wären komplexe Fragen zu klären, von längeren Arbeitszeiten des Kabinenpersonals bis zur Verfügbarkeit der Maschinen. Dass das Bundesverkehrsministerium aber keinerlei Einschätzung liefern kann, ob hier ein relevantes Potenzial besteht, das es ist ernüchternd. 

 

Ist Geschwindigkeitsreduktion auch für den Schiffsverkehr eine Option? 

Ja, bestätigt das Verkehrsministerium auf Anfrage. “Geschwindigkeitsbegrenzungen haben in der Schifffahrt das Potenzial, die Klimawirkung kurzfristig zu reduzieren”, so das BMVI in seiner Antwort. Das Thema werde derzeit im Rahmen des Meeresumweltausschusses der Internationalalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) verhandelt. 

Konkreter wird die Bundesregierung leider nicht. Beziehungsweise offenbart die Antwort, dass hier seit Jahren offenbar fast nichts voran geht. Schließlich ist das sogenannte “Slow Steaming” schon länger in der Diskussion. Bereits 2010 hatte Greenpeace Berechnungen präsentiert, dass durch Drosselung der Geschwindigkeit von Schiffen der Treibstoffverbrauch und damit die CO2-Emissionen nahezu halbiert werden können. Auf der Fahrt von Hamburg nach Shanghai könne ein Containerschiff demnach bis zu 3.000 Tonnen Treibstoff einsparen. 

So richtig ambitioniert klingt es also nicht, wenn auf IMO-Ebene, auch zehn Jahre später, weiter nur Optionen geprüft werden. Auch der Verweis , dass die CO2-Emissionen der Schifffahrt bis 2050 lediglich halbiert werden sollen, klingt angesichts der Dringlichkeit des Klimaschutzes alles andere als angemessen. 

 

Drehen an der Geschwindigkeit kein Allheilmittel

Es ist völlig klar, dass weder beim Flugverkehr noch in der Schifffahrt das mögliche Drosseln der Geschwindigkeit ein Allheilmittel ist. Wir brauchen postfossile Treibstoffe auf der Basis von erneuerbaren Energien, eine Optimierung von Flugrouten, die technische Weiterentwicklungen bei Flugzeug- und Schiffsdesign, beim Thema Fliegen auch ein geändertes Mobilitätsverhalten und eine Verlagerung auf ein Bahnnetz mit Hochgeschwindigkeits- und Nachtzugverkehr und vieles mehr.

Angesichts der enormen Herausforderungen, vor der wir beim Klimaschutz stehen, sollten wir aber mögliche CO2-Reduktionspotenziale, insbesondere solche, die sich kurzfristiger realisieren lassen, nicht ungenutzt liegen lassen.  

 

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