Gefahren durch Ultrafeinstaub aus dem Flugverkehr ernst nehmen!

Ultrafeinstaub Flughafen Mit den Gefahren von Ultrafeinstaub setze ich mich bereits seit einiger Zeit regelmäßig auseinander. Das Bundesverkehrsministerium zeigte sich beim Thema in der Vergangenheit eher desinteressiert.

Anders das GRÜN mitregierte Hessen – sicher kein Zufall, in Frankfurt findet sich immerhin der größte Flughafen des Landes. Im Sommer hat nun das hessische Landesumweltamt einen „2. Zwischenbericht zur Untersuchung der regionalen Luftqualität auf ultrafeine Partikel im Bereich des Flughafens Frankfurt“ vorgelegt.

Für mich Anlass erneut bei der Bundesregierung nachzubohren, wie es um Handlungsstrategien zur Vermeidung Ultrafeinstaub aus der Luftfahrt – oder gar um mögliche Fortschritte – bestellt ist.

Das Ergebnis ist eher ernüchternd. Den Bericht hat die Bundesregierung nach eigenen Angaben zwar zur Kenntnis genommen, sieht aber keinen Handlungsbedarf aus den durchaus Besorgnis erregenden Hinweisen der Studie. Und konkrete Fortschritte zur Marktreife alternativer Kraftstoffe, die einerseits klimafreundlicher sind und andererseits weniger Ultrafeinstaub verursachen als die derzeit verwendeten fossilen Kraftstoffe, kann die Bundesregierung schon gar nicht vorlegen.

 

Die Hintergründe

Am 20. August 2019 veröffentlichte das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie den 2. Zwischenbericht zur Untersuchung der regionalen Luftqualität auf ultrafeine Partikel im Bereich des Flughafens Frankfurt. Landesumweltministerin Priska Hinz und Landesminister für Verkehr Tarek Al-Wazir stellten den Bericht gemeinsam vor.

Bereits der erste Zwischenbericht aus dem Jahr 2018 lieferte deutliche Hinweise, dass das Gelände des Frankfurter Flughafens eine bedeutende Quelle für ultrafeine Partikel darstellt. Für den aktuellen Bericht wurden die Messungen im Flughafenumfeld ausgeweitet. An allen Standorten treten bei Wind aus Richtung des Flughafens stark erhöhte Partikelkonzentrationen auf. So waren die Ultrafeinstaubpartikel an Messstellen in 5-10 Kilometer Entfernung deutlich erhöht, teils um einen Faktor 3,5 oder 4. Von einer engen lokalen Begrenzung der Belastung mit Ultrafeinstaub kann keine Rede sein, wenn bei entsprechender Windrichtung die Belastung in Wohngebieten in einiger Entfernung deutlich steigt.

Bisher fehlen genaue Erkenntnisse über die gesundheitliche Wirkung von Ultrafeinstaub auf den Menschen, der Deutsche Wetterdienst warnt jedoch davor, dass ultrafeine Partikel in die Blutbahn vordringen können. Das Umweltbundesamt sieht es als erwiesen an, “dass das Einatmen von Feinstaub negativ auf den Gesundheitszustand des Menschen wirkt“ und warnt, dass das Risiko zu erkranken bei kleineren Staubpartikeln steigt.

 

Was die Bundesregierung tun könnte

Die zuständigen Bundesministerien für Umwelt unter Svenja Schulze (SPD) sowie für Verkehr unter Andreas Scheuer (CSU) verschließen vor diesen Besorgnis erregenden Hinweisen auch nach mehrmaliger Nachfrage die Augen. In Ihren Antworten weist die Bundesregierung jede Zuständigkeit von sich, mit der Begründung, es gäbe keine belastbare Forschung über die gesundheitlichen Auswirkungen von Ultrafeinstaub. Dabei wäre allein schon gemäß dem Vorsorgeprinzip entschiedenes Handeln angesagt.

So ließe sich die Feinstaubkonzentration in Flughafennähe durch die Reduzierung des Schwefelgehalts des eingesetzten Kerosins zumindest teilweise vermieden – Schwefeldioxid spielt als ein Vorläufergas für die Bildung von Ultrafeinstaubpartikeln eine große Rolle.

Auf EU-Ebene wurde in den vergangenen Jahrzehnten bei Schiene, Straße und Schifffahrt eine deutliche Reduzierung des Schwefelanteils vorgeschrieben, jedoch nicht für den Flugverkehr. Höchste Zeit, dass sich die Bundesregierung für einen schärferen EU-Grenzwert für den Schwefelgehalt einsetzt.

Auch die Elektrifizierung des Rollfeldverkehrs könnte eine Verbesserung bringen. Immerhin arbeiten hier die verschiedene deutsche Flughäfen bereits an Lösungen, zum Beispiel an vollautomatischen und elektrischen Flugzeugschleppern.

 

Weiterführende Informationen zu Ultrafeinstaub