Technologie rettet uns. Nicht.

Dieter Janecek Portrait sitzend

Flugtaxi! Synthetisches Kerosin! Nur keine Verbote!

So oder so ähnlich tönt es aus FDP und Union, wenn es um Klimaschutz geht. Die FDP-/ Unions-These: Mit neuen Technologien wird das schon mit dem Klimaschutz.

Meine These: Wir brauchen dringend Technologien für den Klimaschutz. Aber ohne die richtigen Rahmenbedingungen, ohne Instrumente wie eine CO₂-Abgabe, ohne Ordnungspolitik, ohne Marktanreize und ohne soziale Innovationen, verändertes Mobilitätsverhalten beispielsweise, bringen selbst die tollsten Technologien wenig.

Greta Grüne München Klimawandel Digitalisierung
Bildquelle: GRETA, Mitgliedermagazin Grüne München

Beispiel Flugtaxi: Ein elektrisches Kleinflugzeug lässt sich mit erneuerbarer Energie betreiben und benötigt relativ wenig Infrastruktur. Eine tolle Mobilitätslösung! Etwa für abgelegene Dörfer an der norwegischen Fjordküste. Aber eine Antwort auf die Verkehrsprobleme europäischer Großstädte? Eher nicht. Da sind andere Technologien viel sinnvoller. Das Fahrrad zum Beispiel. Das ist zwar schon 200 Jahre alt, aber es ja nicht so, dass sich seitdem nichts getan hat, siehe E-Bike, das das Fahrrad-Pendeln auch über längere Strecken oder das Transportieren von Lasten deutlich vereinfacht.

Beispiel Elektroauto: Das Prinzip E-Antrieb ist nicht neu, aber derzeit erleben wir eine technologische Revolution, was Praxistauglichkeit und Reichweiten betrifft. Das Elektroauto ist wichtig für den Klimaschutz. Aber kaum ein anderes Beispiel macht so deutlich, wie wichtig ein Zusammenspiel von neuen Technologien, Ordnungsrecht und anderen Rahmenbedingungen ist.

Wenn wir 44 Mio. PKW in Deutschland durch (ähnlich große und schwere) E-Autos ersetzen, wäre das alles andere als nachhaltig.

Die vielen Ressourcen, die in so einer Batterie stecken, hinterlassen natürlich auch einen CO₂-Fußabdruck. Nachhaltige und klimafreundliche Mobilität bekommen wir erst, wenn wir in unseren Städten Vorfahrt für das Rad haben, Vorfahrt für Tram, Bahn und (Elektro-)Busse und für alle, die zu Fuß gehen. Und wenn Autos kleiner und leichter sind und häufig geteilt werden.

Wir dürfen keine Angst haben, Grenzen zu setzen: Keine Neuzulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Tempolimits. Parkplätze und Fahrspuren reduzieren, Innenstädte (weitgehend) autofrei machen.

Ich bin davon überzeugt, wenn wir Digitalisierung nicht für den Klimaschutz nutzbar machen, dann werden wir beim Klimaschutz scheitern. Ob es um die smarte Steuerung von Verkehr oder die intelligente Steuerung von Stromnetzen und Haustechnik geht, in vielen Bereichen sind digitale Innovationen der Schlüssel. Ohne kluge Digitalisierung gibt es keine konsequente Energie- und Verkehrswende.

Wenn wir aber darauf setzen, dass Digitalisierung per se gut fürs Klima ist, irren wir gewaltig. Bereits heute verursachen digitale Technologien mehr CO₂ als Flug- und Schiffsverkehr zusammen (siehe auch hier: “Digitalisierung muss nachhaltig sein“). Nur wenn der Strom für Rechenzentren aus erneuerbaren Energien stammt, nur wenn wir in Rechenzentren auf effiziente Kühlung setzen, die Abwärme nutzen, nur wenn Smartphones und Co. langlebig und reparierbar sind, wird die Digitalisierung auch ökologisch. Und auch nur dann, wenn wir uns stärker überlegen: Wo macht eine digitale Steuerung, der Einsatz einer KI, auch wirklich Sinn? Und wo nicht? Wir vertrauen nicht blind darauf, dass irgendwelche Erfindungen, die es irgendwann vielleicht mal geben mag, auf magische Art und Weise das Klima retten. Technologien sind nie Ziel, Technologien sind Hilfsmittel. Für wirksamen Klimaschutz müssen wir neue Technologien nutzen, blindes Vertrauen auf technologische Durchbrüche bringt uns aber nicht weiter.


Dieser Text erschien zuerst im Mitgliedermagazin GRETA der Münchner Grünen.