Amerikanische 5G-Lizenzvergabe eine Gefahr für Wettersatelliten?

Vor einigen Wochen sorgten Meldungen, die Vergabe von Lizenzen für den Mobilfunkstandard 5G in den USA könnte Wettersatelliten und damit unsere Fähigkeiten der Wettervorhersage empfindlich stören, für Irritationen. Die Warnung stammt nicht von den Seiten von Verschwörungstheoretikern, sondern wurde in der renommierten Zeitschrift Nature publiziert. Der Meteorologe Jordan Gerth von der University of Wisconsin weist dort darauf hin, dass Wettersatelliten die Frequenz 23,8 Gigahertz (GHz) für die Messung von Wasserdampf und Luftfeuchtigkeit nutzen – und so unabhängig von Helligkeit und Wolkendecke insbesondere starke Stürme wie Hurrikans deutlich früher vorhersagen können. 

Sollte diese Vorhersagefähigkeit gestört werden, wäre das tatsächlich fatal. Mehrere Medienberichte fielen entsprechend düster aus, z.B.  “Es geht um Leben und Tod” – warum 5G die Wettervorhersage um 40 Jahre zurückwirft”. Ende Mai folgten Warnungen von NASA und der National Oceanic and Atmospheric Administration, die Debatte, bei der sich verschiedene US-Behörden gegensätzliche Positionen vertreten, tobt in den USA aber bereits länger. 

 

Bundesregierung bleibt vorsichtig 

Was ist dran an diesen Meldungen? Wie schätzt die Bundesregierung den Sachverhalt ein? Ich habe  nachgefragt. Das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur antwortet ausführlich (übrigens keine Selbstverständlichkeit), verweist aber darauf, dass “eine Beurteilung der Auswirkungen auf globale Wetterprognose … zurzeit nicht möglich” sei. Die Bundesregierung weist in ihrer Antwort darauf hin, dass wichtige Versteigerungen in den USA erst im Dezember erfolgen und die Nutzungsbedingungen für die zu versteigernden Frequenzen noch nicht fest stünden. 

Die Feststellung der Bundesregierung, dass Nutzungsszenario und Grenzwerte für die im Mai abgeschlossene Versteigerung der Frequenzbereiche 24,25 bis 24,45 sowie 24,74 bis 25,25 GHz in den USA “seitens der betroffenen amerikanischen meteorologischen Dienste auf ein Störpotenzial neulicher zu untersuchen und zu bewerten” sei, wirkt allerdings nur begrenzt beruhigend. 

Positiv für Deutschland und Europa: Nach Auskunft der Bundesregierung konnte in Europa ein Kompromiss zwischen Frequenzverwaltungen, Wissenschaft  und Industrie hinsichtlich der Einführung von 5G im 26-GHz-Band erzielt werden, der für alle 48 Mitglieder der European Conference of Postal and Telecommunications Administrations verbindlich gilt.

 

Trump-Administration völlig zerstritten

Wie die Diskussion in den USA weitergehen wird, lässt sich derzeit schwer vorhersagen. Ende Juni baten die American Geophysical Union, die Amercian Meteological Society sowie die National Weather Association die amerikanische Telekommunikationsaufsichtsbehörde FCC in einem Brief um Aufschub bei der Versteigerung, während der FCC-Vorsitzende Ajit Pai, wie die LA Times berichtete, in einer Senatsanhörung hinsichtlich der geäußerten Bedenken der Meteorologen von Fortschrittsfeindlichkeit sprach

Innerhalb der Trump-Administration scheint es seit Monaten harte Auseinandersetzungen in dieser Frage zu geben – das US-Handelsministerium unter Leitung von Willbur Ross steht hierbei in Opposition zur FCC und wohl auch zum Präsidenten selbst. Ob sich die US-Administration auf eine einheitliche Position bis zur Tagung der Weltfunkkonferenz 2019 der ITU Ende Oktober in Sharm el-Sheikh einigen kann, bleibt fraglich. 

 

Warnungen müssen ernst genommen werden

5G ist für zahlreiche Anwendungen unabdingbar, der zügige Ausbau einer 5G-Infrastruktur ist eine wichtige Zukunftsfrage. Ich kann aber nur hoffen, dass die US-Regierung die zahlreichen Warnungen bezüglich der 5G-Lizenzvergabe sehr ernst nimmt. Ob für die US-Ostküste, die Golfküste oder das Waldbrand- und Dürre-geplagte Kalifornien – verlässliche Wettervorhersagen sind absolut unerlässlich. Auch wenn die US-5G-Lizenzvergabe Europa nur indirekt betrifft, muss die Bundesregierung die Warnungen ernst nehmen – und auf der Weltfunkkonferenz ansprechen.

 

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