Inklusionsunternehmen cba e.V. besucht: Wenn Eltern zu Gründern werden

Wer ein Unternehmen gründet, kann mehr im Sinn haben als nur möglichst viel Profit zu machen. Manchmal ist das einzige Ziel, Arbeitsplätze für andere zu schaffen.

So geschehen 1985, als eine Reihe Eltern von Kindern mit Behinderungen und Pädagoginnen und Pädagogen einer Montessori-Schule es nicht hinnehmen wollten, dass die Kinder nach einer langjährigen integrativen Erziehung und Schulbildung keine Beschäftigung außerhalb von speziellen Werkstätten für Menschen mit Behinderungen fanden. Inklusion nur in der Schule und als Erwachsene dann doch wieder Trennung? Das konnte es doch nicht sein!

Anpacken und machen, das ist der Geist von Unternehmer*innen. Wenn es keine passenden Arbeitsangebote für Menschen mit geistiger bzw. Lernbehinderungen gab, dann musste man sie eben beraten und sie in Firmen des regulären Arbeitsmarkts vermitteln und dort integrieren. Aus dieser Idee heraus entstand der Verein „Cooperative Beschütze Arbeitsstätten“ (cba e.V.), und weil das Interesse der Arbeitgeber zu gering war, ging der cba e.V. bald dazu über, eigene Betriebe zur Beschäftigung zu gründen, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten. Arbeit hat eine soziale Funktion, die über das Einkommen hinausgeht: Ein Arbeitsplatz schafft Kontakte, bindet in die Gesellschaft ein, verleiht dem Tag Struktur und gibt im besten Fall dem Menschen das Gefühl, für eine Aufgabe gebraucht zu werden und zu etwas beitragen zu können.

Gemeinsam mit meiner Kollegin aus dem bayerischen Landtag, der inklusionspolitischer Sprecherin Kerstin Celina MdL und der Münchner Bezirksrätin Erika Sturm haben wir den Sitz von cba e.V. besucht und uns über diese spannende Mischung aus Verein und sozialem Unternehmertum ausgetauscht: Über die Integrationsbetriebe des Vereins haben 180 Menschen dauerhaft sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gefunden, davon haben ca. die Hälfte unterschiedliche Handicaps (Lern- und/oder geistiger Behinderung sowie psychischer Erkrankungen). Im Anschluss trafen wir Mitarbeiter des Umweltteams, das unter anderem Gartenarbeiten und die Reinigung von Wertstoffsammelplätzen durchführt, und besuchten das Restaurant Conviva im Blauen Haus der Münchner Kammerspiele.

Ein echtes Problem, Unternehmergeist, und ein sozialer Anspruch – das war das Rezept, um einen Arbeitsort aufzubauen, wo Menschen mit Behinderungen ganz selbstverständlich in die Arbeitsprozesse integriert sind. Ein leuchtendes Beispiel, wie Inklusion als Selbstverständlichkeit gelebt werden kann und ein Beitrag zur gesellschaftlichen Akzeptanz für Menschen mit Behinderung.

Soziales Unternehmertum wollen wir stärker fördern – ganz konkret können wir das als Staat und Kommune tun, in dem wir bei öffentlichen Aufträgen und Vergaben Inklusionsbetrieben einen Vorzug geben.