Verkehrsanbindung nach vorne bringen – Landkreis Pfaffenhofen aktuell bundesweites Schlusslicht

Rang 393 und ein Platz unter den “Flop 10” im bundesweiten Landkreisvergleich, die aktuellen Zahlen der Allianz pro Schiene liefern ernüchternde Zahlen für Kreis Pfaffenhofen. Über der Hälfte (55% Prozent) der Bevölkerung im Landkreis fehlt ein ÖPNV-Anschluss in ausreichender Qualität. “Ausreichend” wird dabei vom Bundesamt für Bau-, Stadt- und Raumforschung so definiert: Die nächste Bushaltestelle ist höchstens 600 Meter Luftlinie entfernt, der nächste Bahnhof höchstens 1.200 Meter, jeweils mit mindestens 20 Fahrtmöglichkeiten pro Tag.

Dieses schlechte Ergebnis für den Landkreis hat sicher auch mit bahnpolitischen Fehlern der Vergangenheit zu tun – der Betrieb auf der Hallertaubahn von Rohrbach über Wolnzach nach Mainburg wurde eingestellt, die Strecke größtenteils stillgelegt, genauso wie die Strecke nach Geisenfeld. Auch der Bahnhof Manching an der Strecke nach Regensburg wird seit Jahrzehnten nicht mehr bedient.

Letztlich handele es sich bei der schlechten Verkehrsanbindung um eine soziale Frage, erklärt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek, der die schlechte Verkehrsanbindung als Wolnzacher aus eigener Erfahrung gut kennt:

“Mobilität bedeutet gesellschaftliche Teilhabe und persönliche Freiheit. Um im Landkreis Pfaffenhofen mobil zu sein, ist an vielen Orten der Besitz eines Autos die Voraussetzung – das schließt viele Menschen aus, die zum Autofahren zu jung, zu alt oder zu arm sind. Wir wollen Mobilität für alle!

Aber ist eine Reaktivierung dieser Bahnstrecken, ein flächendeckendes ÖPNV-Netz in einem Landkreis mit 760 Quadratkilometer eine Utopie? Nein, es ist eine Frage des politischen Willens und eine Frage des guten Planens! Zahlreiche flächengroße und auch deutlich dünner besiedelte Landkreise schneiden im Allianz-pro-Schiene-Ranking deutlich besser ab als Pfaffenhofen.

Deshalb wollen wir attraktive Taktungen, gezielte Zubringerlinien zum nächsten Bahnhof, Busknotenpunkte und eine bessere Vernetzung von Bahn, Bus und Rufbus, um das ÖPNV-Netz im Landkreis für alle zu öffnen und das Netz zu verdichten. Ein einheitliches und verständliches Tarifsystem wäre ebenso nötig: Statt des Flickenteppichs aus Tarifverbünden und Ticketsystemen muss es möglich sein, ein Ticket vom Start- zum Zielort bequem in einer App zu buchen. Auch die Integration von “Ridesharing” in den ÖPNV, vielleicht ein an “uber” orientierter Fahrdienst, nur in kommunaler oder genossenschaftlicher Hand, könnte ebenfalls einen großen Beitrag leisten.”

Studie der Allianz pro Schiene: https://www.allianz-pro-schiene.de/wp-content/uploads/2019/05/190521_erreichbarkeit_top10_flop10.pdf