Keine Taktverbesserung zwischen München und Berlin in Sicht

Gute Nachrichten gab es Anfang Mai für die Fahrgäste der Deutschen Bahn, zumindest für jene, die zwischen Hamburg und Berlin unterwegs sind. Ab 2021 soll der ICE zwischen den beiden größten deutschen Städten alle 30 Minuten fahren – so das Ergebnis des Schienengipfels zwischen Bahnchef Richard Lutz und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

Wie sieht es aber auf der Strecke München-Berlin aus, auf der Relation zwischen der größten und der drittgrößten Stadt des Landes? Sind auch hier Angebotsverbesserungen, gar ein 30-Minuten-Takt geplant? Das habe ich Anfang Mai in den Bundesverkehrsminister gefragt. Die Antwort des Ministeriums lautete kurz und knapp umschrieben: “kein Bedarf”.

Berlin München in unter vier Stunden – aber nur fünfmal täglich

Seit der Eröffnung der Schnellfahrstrecke durch den Thüringer Wald Ende 2017 brauchen die schnellsten ICE zwischen Isar und Spree nur noch knapp vier Stunden – eine Fahrzeit, mit der die Bahn auch für Geschäftsreisende attraktiv wird. Nach den Startschwierigkeiten der ersten Monate läuft der Bahnbetrieb auch verhältnismäßig stabil. Eine beliebte Verbindung, die Zahl der Fahrgäste hat sich in den letzten eineinhalb Jahren verdoppelt.

Allerdings fahren die Sprinterzüge zwischen Isar und Spree nur fünfmal am Tag. Der reguläre ICE mit mehreren Zwischenhalten braucht 35-40 Minuten länger. Die Fahrzeit von gut viereinhalb Stunden ist sicher immer noch attraktiv und selbstverständlich ist es auch wichtig, dass auch die Fahrgäste von Ingolstadt, Erlangen oder Bamberg attraktive Verbindungen nach Berlin haben. Von München ergibt sich so eine stündliche Verbindung in die Hauptstadt mit einer Fahrzeit von unter fünf Stunden – zusätzlich bestehen noch mehrere Verbindungen, auf den man gut fünf Stunden unterwegs ist.  Zum Vergleich: Allein die Lufthansa startet 16 Mal am Tag nach Berlin, Easyjet bietet acht Direktverbindungen an.

Weltfremde Antwort aus dem Bundesverkehrsministerium

Will man freitags von Berlin nach München fahren, bekommt man manchmal schon drei Tage vorher keine Reservierung mehr. Die Sprinterzüge verkehren grundsätzlich als Halbzüge mit lediglich acht Wagen. Dass das Ministerium offenbar davon ausgeht, dass das derzeitige Angebot nachfragegerecht sei, überrascht auch beim Blick in das Kundenportal der Deutschen Bahn, das regelmäßig eine sehr hohe Auslastung für einen großen Teil der Züge anzeigt. Günstige Tickets sucht man sowieso vergeblich.

Teure Strecke, wenige Züge

Seit Mitte der 90er Jahre wurde am sogenannten Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 8, der Schienenverbindung von Berlin über Halle/Leipzig und Erfurt nach Nürnberg geplant und gebaut gut zehn Milliarden hat sie gekostet. Viel Geld, um einmal in der Stunde einen Zug fahren zu lassen. Nur mal zum Vergleich: in Japan fahren die dortigen sehr erfolgreichen Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszüge teils alle zehn Minuten zwischen den größten Städten, zwischen Rom und Mailand herrscht 30-Minuten-Takt, in der Schweiz oder den Niederlanden sind Dichte Takte ebenfalls Standard. Sollte Ähnliches nicht auch in Deutschland Ziel sein? Wollen wir weniger innerdeutschen Flugverkehr sollten wir das dringend angehen. 

 

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