Grüne setzen auf Elektromobilität Fachgespräch in Teisendorf

Nach Ansicht von allen Referenten bei einem Fachgespräch von Bündnis 90/Die Grünen zum Thema Elektromobilität wird das Elektroauto über kurz oder lang im Bereich des motorisierten Individualverkehrs den Verbrennungsmotor ablösen.
In seiner Einleitung wies der Grünen-Ortsvorsitzende Edwin Hertlein darauf hin, dass das Thema Elektromobilität nicht isoliert betrachtet werden dürfe. Vielmehr müsse das Thema eingebettet sein in eine Gesamtstrategie. So müsse immer das Ziel sein, durch kluge Raumplanung möglichst wenig Verkehr überhaupt erst entstehen zu lassen. Die Lebensbereiche Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit müssten wieder näher zusammengeführt
werden. So sollten zum Beispiel Einzelhandelsgroßprojekte auf der grünen Wiese vermieden werden. Daneben müsse der ÖPNV Vorrang vor dem Individualverkehr haben.
In seinem Referat wies der Bergener Bürgermeister Stefan Schneider darauf hin, dass die Verkehrssituation auf dem Land sich deutlich anders darstelle als in der Stadt. Während in großen Städten schon mehr als 50 Prozent des Verkehrsaufkommens zu Fuß oder mit dem Fahrrad abgewickelt werde, liege der entsprechende Wert auf dem Land bei lediglich etwas über 10 Prozent. Deshalb sei das Thema Elektromobilität aus seiner Sich auf dem Land von noch größerer Bedeutung als in der Stadt. Bei der Umsetzung eines Modellprojektes zur Förderung der Elektromobilität in seiner Gemeinde sei er immer wieder auf Vorbehalte bezüglich Kosten, Reichweite und Lades
tellen gestoßen. Nach den Erfahrungen in Bergen seit Beginn des Modellprojektes im Jahr 2015 könne er all diese Vorbehalte entkräften. So gebe es in Bergen inzwischen fünf Ladestationen. Der künftige Schwerpunkt beim Bergener Modellversuch werde bei der Erarbeitung von Nutzungs- und Abrechnungskonzepten liegen. So wolle er unter anderem einen Elektrobus für ein Carsharingmodell anschaffen.
Dieter Janecek, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, war der Meinung, dass die deutsche Autoindustrie und die Bundesregierung das Thema Elektromobilität verschlafe. In anderen Ländern sei man heute schon viel weiter. So sei der Anteil an neu zugelassenen Elektroautos in Norwegen schon bei 50 Prozent. Auch in Schweden und in China gehe die Entwicklung in diese Richtung. Wer langfristig am Verbrennungsmotor festhalte, gefährde auf Dauer viele Arbeitsplätze. Janecek machte sich für ein Elektromobilitätsgesetz stark, um endlich auch in Deutschland die Wende hin zu deutlich mehr Elektroautos einzuläuten.
Simon Köppl, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle der Energiewirtschaft mit Schwerpunkt Elektromobilität, machte deutlich, dass der Ausbau der Elektromobilität auch ein wichtiger Beitrag zur Energiewende sei. Ein Elektroauto eigne sich sehr gut zur Speicherung überschüssigen Stroms aus Wind- und Sonnenenergie. Durch intelligente Vernetzung und Steuerung ließen sich technisch bedingte Stromschwankungen durch Wind- und Sonnenstrom ausgleichen. Köppl rechnete vor, dass sich durch einen kompletten Umstieg des derzeitigen PKW-Bestandes auf Elektroautos die CO²-Emissionen in diesem Bereich fast halbieren ließen. Köppl zeigte sich überzeugt, dass sich der Umstieg auf die Elektromobilität eines Tages ähnlich schnell vollziehen werde, wie das beim Smartphone des Fall gewesen sei. Dieses habe innerhalb kürzester Zeit das Handy abgelöst. Grünen-Kreisvorsitzender Dr. Bernhard Zimmer ging in seinem Vortrag auf das Elektromobilitätskonzept im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes des Landkreises ein. In diesem Klimaschutzkonzept seien bereits wichtige Weichenstellungen vorgenommen worden. Etwa durch die Einstellung eines Klimaschutzmanagers, die Einrichtung einer Energieagentur und durch die Erstellung eines Energienutzungsplanes. In Sachen Elektromobilität sei eine Verdreifachung des Bestandes an Elektrofahrzeugen angestrebt. Dieses Ziel halte er aber für wenig ambitioniert.
Dr. Zimmer kritisierte, dass im Elektromobilitätskonzept des Landkreises das Fahrrad nicht ausreichend berücksichtigt sei. Dabei könne das E-Bike etwa im Pendlerverkehr eine wichtige Rolle spielen und das Auto ersetzen. In Verbindung mit der Schiene könnten die Bahnhöfe Knotenpunkten in Sachen Elektromobilität werden. In Kopenhagen wickelten 60 Prozent aller Berufspendler ihren Fahrweg mit dem Fahrrad ab.
Oktober 2018, e.h.