Erhebung: Längere Wartezeiten von Kassenpatienten in Bayern

Kassenpatienten in Bayern warten immer länger auf Termin beim Facharzt. Im Vergleich zu Privatpatienten dauert es 28 länger, bis sie behandelt werden – und damit nochmals fünf Tage länger als bei der ersten Erhebung 2015. Besonders lange sind die Wartezeiten bei Ärzten der Fachrichtung Haut, Auge und Neurologie. Die regionalen Unterschiede in Bayern sind groß. Das ist das Ergebnis einer telefonischen Erhebung im Monat September, bei der bayernweit 460 Arztpraxen befragt wurden.

Hintergrund

Bereits 2015 hatte die grüne Landesgruppe Bayern eine umfangreiche Telefonbefragung angestoßen.

Im September haben Manuela Rottmann, MdB (Bad Kissingen), und Dieter Janecek, MdB (München West/Mitte), nun eine weitere Befragung durchführen lassen – und das Ergebnis überrascht, und zwar negativ: Kassenpatienten warten noch einmal fünf Tage mehr als Privatversicherte im Vergleich zur 2015er Erhebung. Jetzt beträgt der Unterschied 28 Tage. Dieser Trend ist auch in anderen Bundesländern zu beobachten, der Sprung in Bayern ist aber deutlich.

Dass beim Thema Wartezeiten bei Facharztpraxen grundsätzlicher Handlungsbedarf besteht, hat auch die Bundesregierung erkannt. Vorletzte Woche hat Gesundheitsminister Jens Spahn eine neue Initiative vorgestellt, die die Wartezeiten für Kassenpatienten verkürzen soll. Die Vorschläge von Spahn greifen aber deutlich zu kurz. So weist der Verband der niedergelassenen Ärzte darauf hin, dass bereits 98 Prozent der niedergelassenen Ärzte mindestens 25 Sprechstunden pro Woche anbieten, die von Spahn angekündigte Mindestanzahl von 25 Sprechstunden pro Woche also kaum einen Effekt haben dürfte.

Die grundlegenden Probleme in der Gesundheitsversorgung geht der Bundesgesundheitsminister mit seinen Vorschlägen nicht an. Die Reformpläne von Jens Spahn werden die Versicherten voraussichtlich um 800 Millionen im Jahr zusätzlich belasten, ohne dass eine große Wirkung zu erwarten ist. Für chronisch kranke Menschen könnte es gar zu einer Verschlechterung kommen. Aus grüner Sicht ist eine grundlegende Neuausrichtung in der Gesundheitspolitik notwendig. Es bräuchte Anreize für eine bessere Kooperation von Krankenhäusern, Ärzten und Pflegekräften, eine grundlegende Reform der Notfallversorgung und endlich auch einen Einstieg in die Bürgerversicherung.

PDF-Download: Erhebung Oktober 2018 – Warten Kassenpatienten in Bayern länger auf einen Facharzttermin als privat Versicherte?