Von kleinen grünen Männchen und deutscher Weltraumpolitik

In die Bild-Zeitung, Seite Eins, wenn auch nur eine kurze Meldung rechts, aber immerhin, hat es meine jüngste schriftliche Frage geschafft. Ich wollte von der Bundesregierung wissen, ob und wenn ja, welche Planungen es für den Fall gibt, dass es zu einer Kontaktaufnahme mit außerirdischen Leben kommt. Was dahinter steckt, dazu konnte ich letzte Woche einen Gastbeitrag bei heise veröffentlichen.

Szenarien wie in Star Trek: First Contact oder in Independence Day, also das wohlmeinende Vulkanier oder bösartige Aliens plötzlich auf der Erde landen, mögen gute Unterhaltung sein, dürften aber mit der Realität wenig zu tun haben. Nach allem, was wir heute wissen, erscheint eine interstellare Reise zu anderen Sonnensystemen physikalisch unmöglich. Nicht unmöglich ist, dass uns zum Beispiel ein Radiosignal, erreichen könnte. Dank neuer Messmethoden haben Wissenschaftler*innen in den letzten Jahren ein gutes Dutzend an potenziell erdähnlichen Planeten entdeckt. Dass wir uns unter “erdähnlich” nicht eine zweite Erde, also einen wunderbaren bewohnbaren Planeten, vorstellen sollen, hat Harald Lesch am Beispiel des 2016 entdeckten Planeten Proxima Centuri b in einem Video wunderbar zusammengefasst.

Aber vielleicht existiert tatsächlich irgendwo ein oder gar mehrere Planeten, die bewohnbar sind und die ähnlich wie die Erde mehr oder weniger intelligente Bewohner*innen hervorgebracht haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies ausgerechnet auf einem der halben Dutzend potenziell erdähnlicher Planeten in der “näheren Umgebung” unseres Sonnensystems und dann auch noch mehr oder weniger gleichzeitig mit der Entwicklung der Erde geschehen sein könnte, erscheint verschwindet gering.

Aber natürlich treibt die Menschheit die Neugier – und in diesem Falle so sehr, dass zum Beispiel die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA genauso selbstverständlich nach außerirdischem Leben sucht wie wie die China National Space Administration. Das SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence)-Institut in Kalifornien sucht bereits seit 1984 nach Botschaften von außerirdischem Leben, zu den Geldgebern gehören neben der NASA z.B. auch die National Science Foundation (NSF).

Beflügelt wurden und werden diese Projekte auch von Wissenschaftlern wie Stephen Hawking, der seine Überzeugung, dass es außerirdisches Leben geben müsse, stets selbstbewusst und selbstverständlich vertrat. Er war der festen Überzeugung, dass angesichts von Milliarden von Galaxien und Abermillionen von Sternen sehr unwahrscheinlich, dass die Erde der einzige Planet sei, auf dem Leben möglich ist. Womöglich seien viele “Aliens” Kleinlebewesen und einfache Tiere, aber auch intelligentes Leben hielt Hawking für wahrscheinlich.

Also so ganz abwegig ist es nicht, die Bundesregierung zu befragen, was denn wäre, wenn man tatsächlich auf ein Signal stoßen würde, das vielleicht 20, vielleicht 200 Jahre aus einem anderen Sonnensystem zu uns unterwegs war. Und die Antwort der Bundesregierung ist durchaus interessant, mindestens in einer Hinsicht. Sollte tatsächlich ein Signal, das von extraterrestrischem intelligenten Leben stammt, aufgefangen werden, würde nach Auskunft der Bundesregierung die internationale Wissenschaftsgemeinde unterrichtet werden.

Auch hier scheint ein gängiges und beliebtes Science-Fiction-Szenario, die strikte Geheimhaltung eines solchen Kontakts in streng geheimen Einrichtungen, wie sie gerne z.B. Roswell in New Mexiko vermutet werden, eher unwahrscheinlich. Dass dort kleine grüne Männchen in versteckten unterirdischen Komplexen gefangen gehalten werden, darf natürlich gerne weiter die Fantasie von Science-Fiction-Autor*innen beflügeln.

Bei all dem Rummel um die beiden schriftlichen Zusatzfragen etwas in den Hintergrund geraten ist die Kleine Anfrage “Ziele und Zeitplan des angekündigten Weltraumgesetzes und weiterer Vereinbarungen im Bereich Raumfahrt“(Drucksache 19/3745). Dazu hat die Süddeutsche Zeitung Anfang August berichtet.