Kulturwandel für neue Arbeitszeitmodelle

Damit’s passt: Grüne Arbeitszeitpolitik – Spannende Diskussion in München

Wie bekommen wir Beruf und Familie besser unter einen Hut? Wie schaffen wir flexiblere Arbeitszeitmodelle? Darüber diskutierten unsere Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, und Brigitte Pothmer, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik, am Montag, 11. Juli, in der Orange Bar in München mit Vertreter*innen aus der betrieblichen Praxis. Werner Albrecht, Personalchef der Stadtwerke München, Johanna Aichmüller, Chefin der Abteilung Human Resources bei der Allianz Deutschland sowie Stefanie Pantoulier, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Hypo-Vereinsbank in München schilderten in der von mir moderierten Runde ihre Sicht auf Chancen und Probleme, die mit Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Teilzeitarbeit oder Home Office einhergehen.

Die Diskussion um flexible Arbeitszeiten findet vor dem Hintergrund drei wesentlicher Faktoren statt: dem wachsenden Fachkräftemangel, der Unzufriedenheit vieler Erwerbstätiger mit ihrem Arbeitszeitumfang und dem Problem, dass Mangel und Potenzial an Arbeitskraft schwer zusammenzubringen seien, u.a. weil Arbeitsmarkt und Privatbereich nach wie vor geschlechtsspezifisch gespalten sind. Stichwort Teilzeitfalle, die nach wie vor für Frauen ein Problem darstellt. Auch die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und verwischt die Grenze zwischen Arbeits- und Frei-Zeit.

Mehr Mitsprache für die Beschäftigten

Während der Wunsch nach Flexibilisierung bisher meist von Unternehmen ausging, wünschen sich nun vermehrt Arbeitnehmer*innen eine flexiblere Gestaltung ihrer Arbeitszeit, im Sinne einer Zeitsouveränität. Beschäftigte müssen also mehr Mitsprache über das Wieviel, Wann und Wo ihrer Erwerbstätigkeit erhalten. Ein Gewinn für Arbeitnehmerschaft und Betriebe! Umsetzen wollen wir Grüne das mit dem sogenannten Vollzeit-Korridor. Er soll einen flexiblen Arbeitszeitkorridor zwischen 30 und 40 Wochenstunden ermöglichen. Eine wichtige Chance auch für Betriebe, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.

Kulturwandel, Rückkehrrecht und Home Office für mehr Flexibilität

Weitere Ansätze grüner Arbeitszeitpolitik ist die Verankerung des Rückkehrrechts nach einer Phase der Teilzeit-Arbeit. Der bestehende Rechtsanspruch auf Teilzeit solle um ein Rückkehrrecht auf den früheren Stundenumfang ergänzt werden, forderte Pothmer, damit auch die, die vorübergehend weniger als 30 Stunden arbeiten wollen, wieder auf ihre ursprünglich vereinbarte Stundenzahl zurückkehren könnten. Ferner solle Home-Office den Beschäftigten stärker ermöglichen, bei Bedarf über Beginn, Ende und Verteilung ihrer Arbeitszeit mitzubestimmen. “Manchmal geht es ja gar nicht um eine verkürzte Arbeitszeit, sondern das entscheidende Flexibilisierungsmoment ist eben die Frage, wann und wo gearbeitet werden kann.”

Einig waren sich alle Anwesenden, dass es bei diesem Themenbereich nicht nur um legislative Maßnahmen ginge. Entscheidender ist ein anstehender Kulturwandel. Dafür brauchen wir ein neues Denken im Leadership-Management und geeignete Vorbilder. Die Politik kann diesen Kulturwandel allerdings mit den richtigen Rahmenbedingungen begleiten.