Die Zukunft der Mobilität ist digital – Studienprojekt zu automatisiertem Fahren abgeschlossen

Was passiert mit dem urbanen Raum, wenn Fahrzeuge zukünftig in unseren Städten automatisiert unterwegs sind? Dieser Frage gingen, Christof Fraunhofer, Katrin Schlögl und Lena Fiedler im Rahmen einer Projektstudie an der TU München nach. Nach halbjähriger Recherche und der Datenauswertung haben die drei im Januar ihre Ergebnisse vorgestellt. Und die waren sehr spannend!

Vier unterschiedliche Szenarien

Die drei TUM-Student*innen haben anhand eines umfassenden Indikatoren-Sets eine Szenario-Analyse* durchgeführt und kamen am Ende zu vier grundsätzlich unterschiedlichen Szenarien (samt Visualisierung), was die Automatisierung des Straßenverkehrs konkret für München und die Maxvorstadt, also für das direkte Umfeld der Technischen Universität München, bedeuten könnte.

Visualisierung Szenario 4, (c) Christof Fraunhofer, Katrin Schlögl und Lena Fiedler
  • Szenario 1: es ändert sich nichts, beispielsweise weil die rechtlichen Hürden für automatisiertes Fahren zu groß sind oder es technisch doch nicht überzeugend funktioniert.
  • Szenario 2: Mischverkehr aus automatisierter und menschlicher Fahrzeugführung. Der Verkehr wird insgesamt effizienter und leistungsfähiger, bereits eine relativ geringe Dichte automatisierter Fahrzeuge reduziert Stau- und Unfallgefahren, durch Effizienz- und Komfortgewinne sowie durch das Erschließen neuer Nutzergruppen (Kinder, Ältere) steigt aber der Verkehr. Wir erleben einen Rebound-Effekt.
  • Szenario 3: Vollautomatisierter Verkehr und Verkehrszunahme: Auch hier erleben wir einen Rebound-Effekt. Effizienz-, Sicherheits- und Komfortgewinne sind im Vergleich zu Szenario 2 größer, insgesamt könnte auch hier der Autoverkehr steigen, wenn nicht gegengesteuert wird.
  • Szenario 4: Vollautomatisierter Verkehr und Verkehrsabnahme: Das ist natürlich aus grüner Sicht am spannendsten. Der Verkehr wird effizienter und sicherer, ideal vernetzt mit anderen Verkehrsarten, Autos werden geteilt, der Besitz und damit der Bedarf an Parkplätzen geht zurück, der öffentliche (Straßen)raum kann gerechter zwischen verschiedenen Nutzungsarten aufgeteilt werden. Möglich ist dieses Szenario, aber kein Selbstläufer: ohne Ausbau und Komfortgewinne beim ÖPNV, ohne eine Bereitschaft, die den öffentlichen Raum auch wirklich menschenfreundlicher zu gestalten und mehr Platz für Radverkehr und Fußgänger zu schaffen und ohne einen Bewusstseinswandel in Bezug auf die Rolle von Autos und Autobesitz, wird das wohl nicht gelingen.

Es liegt also – wenig überraschend – in unserer Hand, wie wir die urbane Mobilität in der Zukunft gestalten. Technische Innovationen wie automatisiertes Fahren eröffnen großartige Möglichkeiten. Technische Innovationen alleine führen aber noch nicht zu Nachhaltigkeit (siehe hierzu auch das gemeinsame Thesenpapier von Gerhard Schick und mir,[1] das den Zusammenhang von technischen und sozialen Innovationen für unser Wirtschaftssystem skizziert).

mit Christof Fraunhofer, Lena Fiedler, Katrin Schlögl und Brösel (vorne) nach der Projektvorstellung an der TUM in Garching

Bereits im Herbst waren Christof, Katrin und Lena eine gute Woche zu Besuch in meinem Bundestagsbüro[2] und haben in Berlin Hintergrundgesprächen mit Verkehrsexpert*innen und Fachpolitiker*innen geführt. Wirklich sehr spannend, was die drei seitdem auf die Beine gestellt haben – vielen Dank an Christof, Lena und Katrin!

* ein methodischer Hinweis zur Szenario-Analyse: es wird keine Aussage über Wahrscheinlichkeiten getroffen. Die Zukunft lässt sich schwer nach gängigen Methoden der Statistik vorhersagen. Vielmehr dient die Szenario-Analyse dazu, unterschiedliche Entwicklungspfade, die sich aus komplexen Indikatoren-Sets plausibel ergeben können, darzustellen.