Mit Zivilcourage gegen Nazis – auch im Biergarten

Nazis im Biergarten“ und “Gäste vertreiben Neonazis” titelten die Zeitungen vorletzte Woche zu einem Vorfall im Hirschgarten, Münchens größtem Biergarten. Der Hirschgarten liegt nicht nur in meinem Wahlkreis, sondern ist auch einer meiner Lieblingsorte in der Landeshauptstadt.

Was war genau geschehen? Der bekannte Neonazi Philipp Hasselbach hatte sich Samstag vor einer Woche zusammen mit weiteren bekannten Rechtsradikalen im Hirschgarten getroffen. Hasselbach ist Vorsitzender des Münchner Kreisverbandes der Partei “Die Rechte”, mehrfach u.a. wegen Körperverletzung vorbestraft, vom Verfassungsschutz beobachtet und regelmäßiger Organisator von Neonazi-Kundgebungen. Von Hasselbach existieren wohl auch Fotoaufnahmen mit Hakenkreuz-Fahne und Hitlergruß – also durch und durch Neonazi, niemand, der sich um die Fassade der Bürgerlichkeit bemüht.

Mit Backstage-Chef Hans-Georg Stocker

Durch Zufall saßen Hans-Georg Stocker, Chef des nahen Backstage, und mein ehemaliger Bezirksausschusskollege Nima Lirawi (SPD), der sich seit langem gegen Rechtsextremismus und Rassismus engagiert, ein paar Tische entfernt und haben Hasselbach erkannt – und gehandelt.

Am vergangenen Montag habe ich mich mit Hans-Georg Stocker getroffen, um mehr über den Vorfall und seine Einschätzung dazu zu erfahren. Zunächst möchte ich ihm nochmals für seine Zivilcourage danken – er ist aufgestanden, hat den Hirschgarten-Wirt und schließlich die anderen Gäste über die rechten Besucher informiert. Zivilcourage gegen rechts ist gerade jetzt, wo rechte Gewalt, Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und rassistische Hetze im Netz stark zunehmen, wo im sächsischen Heidenau ein rechter Mob auf Straße wütet, wichtiger denn je! Umso frustrierender, wenn jetzt manche im Netz, darunter auch ein Stadtratsmitglied der CSU, von Stasi-Methoden sprechen.

Dabei findet mit Sicherheit kein „harmloses Kaffeekränzchen“ statt, wenn sich eine Gruppe bekannter Neonazis, unter Führung des wegen Körperverletzung (u.a. an einem Polizeibeamten übrigens) vorbestraften Hasselbach, trifft, insbesondere nicht, wenn man die Vorgeschichte kennt: Hasselbachs Rechte hielt in den letzten Monaten verschiedene „Schulungen“ und politische Veranstaltungen in Neuhauser Wirtshäusern ab, was unter anderem dazu führte, dass der Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg sein Tagungslokal verließ, schließlich wollten die Stadtteilabgeordneten (einstimmig und über alle Parteigrenzen hinweg so beschlossen) nicht an den Tischen tagen, an denen zuvor von bekennenden Nazis Verschwörungstheorien über die „Weltjudenheit“ oder die Friedensliebe von Adolf Hitler verbreiten wurden.

Rechte Veranstaltungen und Treffen rechter Gruppierungen in Wirtshäusern sind also auch in Neuhausen-Nymphenburg wie auch anderorts kein neues Phänomen. Und dass dabei Situationen entstehen, die für Wirte nicht einfach sind, ist auch nachvollziehbar, gerade wenn sie nicht sofort einschätzen können, von welcher Couleur die Besucher sind. Um so wichtiger, dass Gastronomen das Thema ernst nehmen, z.B. in dem sie sich an der gemeinsamen Initiative „München ist bunt, auch in den Gaststätten“ des Hotel- und Gaststättenverband München und der städtische „Fachstelle gegen Rechtsextremismus“ beteiligen. Auch der Hirschgarten ist an dieser Initiative beteiligt. Gerade deshalb hätte man natürlich erwarten können, dass der Wirt schneller auf die ungebetenen rechten Biergartenbesucher reagiert. In einer angespannten Situation an einem sommerlich-warmen Tag mit gut besuchtem Biergarten (der Hirschgarten bietet rund 8.000 Plätze) ist das vor zwei Wochen nicht gleich gelungen. Umso wichtiger ist und war, dass sich der Hirschgarten im Anschluss eindeutig und unmissverständlich erklärt hat (Erklärung des Hirschgartens bei der AZ).

Wichtig sind und bleiben Wachsamkeit und Zivilcourage. Denn nur so schaffen wir es, den Rechten entschieden entgegenzutreten, und zwar nicht nur bei politischen Veranstaltungen und offener Hetze.