Tragischer Tod von Cannabis-Patient: Staatsregierung muss bayerische Drogenpolitik überprüfen

Der Cannabis-Patient Robert Strauss aus Augsburg verstarb vergangenen Mittwoch im Alter von 50 Jahren. “Der Fall Strauss muss zu denken geben”, erklärt der Münchner Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek. “Strauss litt nicht nur unter einer schweren chronischen Erkrankung, er wurde auch Opfer einer verfehlten bayerischen Drogenpolitik, die Schmerzpatienten kriminalisiert und ihre effektive Behandlung mit Cannabis zu verhindern versucht. Der tragische Fall sollte die bayerische Staatsregierung wachrütteln.”

Strauss litt in Folge einer Tumor-Erkrankung unter chronischen Schmerzen, die Bundesopiumstelle erteilte ihm Anfang 2014 die Genehmigung zur alternativen Therapie mit Cannabis. Für Cannabis-Blüten aus der Apotheke musste Strauss monatlich 1.000 Euro aufbringen, weil sich seine Krankenkasse nicht an den Kosten beteiligte. Nach Verlust seines Arbeitsplatzes begann Strauss, die benötigte Menge an medizinischem Cannabis durch Eigenanbau sicherzustellen. Da er als Schmerzpatient mit Ausnahmegenehmigung bekannt war, kontrollierte die Polizei ihn regelmäßig und konfiszierte ohne Durchsuchungsbefehl in seiner Privatwohnung sowohl selbst angebautes als auch aus Apotheken bezogenes Cannabis, so dass Strauss auf die alten Medikamente zurückgreifen musste. Laut Aussagen seines Arztes starb Strauss an den Folgen eines Sturzes. Strauss selbst hatte Anfang Januar noch erklärt, die Ersatz-Tabletten hätten ihn so schläfrig gemacht, dass er gestürzt sei.

Eine restriktive Drogenpolitik, wie sie gerade in Bayern praktiziert wird, wird derzeit von vielen Seiten grundsätzlich in Frage gestellt: Einen neuen Ansatz in der Drogenpolitik fordern unter anderem 122 deutschen Strafrechtsprofessoren des Schildower Kreises. Sie wollen mit einer Resolution auf die unbeabsichtigten schädlichen Nebenwirkungen und Folgen der Kriminalisierung der derzeitigen Drogenpolitik aufmerksam machen. Auf internationale Ebene wirbt der ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan und zahlreiche andere hochrangige Persönlichkeiten, darunter mehrere ehemalige Staats- und Regierungschefs, für eine neue Drogenpolitik. Und selbst der Bund deutscher Kriminalbeamter plädiert für einen nicht-repressiven Umgang mit Drogenkonsumenten. Auch eine öffentlichen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages am 5. November 2014 zum gemeinsamen Antrag von LINKE und GRÜNEN (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/016/1801613.pdf) machte deutlich, dass die Mehrheit der ExpertInnen tatsächlich Überprüfungsbedarf beim Betäubungsmittelrecht sieht.