Fachgespräch „Vernetztes Auto – Chancen und Risiken“ Panel 1: „Mit dem vernetzten Auto zur klimafreundlichen Mobilität?“

Am 10. November lud die grüne Bundestagsfraktion zum Fachgespräch “Vernetztes Auto – Chancen und Risiken” ein. Ich habe die Moderation des 1. Panels “Mit dem vernetzten Auto zur klimafreundlichen Mobilität?” übernommen und diskutierte mit unseren Impulsgebern Prof. Stephan Rammler, Gründungsdirektor des Instituts für Transportation Design, Jens Redmer, Head of New Products and Solutions Google Deutschland und Dr. Matthias Klauda, Senior Vice-President und Leiter des Zentralbereichs Automotive Systems Integration der Bosch GmbH.

Mit Blick auf den Titel des Panels brachte ein Diskutant hervor, dass die bessere These sei „Mit digitalisierter Mobilität in eine zukunftsfähige und klimafreundlichere Fortbewegung“. Anstatt lediglich das Teilsystem Auto zu betrachten, wäre es zielführender über Intermodalität, also die Verknüpfung der verschiedenen Fortbewegungsmittel nachzudenken. Die Diskussionsrunde forderte in großer Übereinstimmung, dass Fahrplandaten als öffentliches Gut gelten sollten, um intermodale Anwendungen leichter zu ermöglichen. Als Vorreiter-Städte für innovative Rad-ÖPNV-Konzepte wurden hier Wien, Hongkong, Kopenhagen und Amsterdam genannt. Ein Panelist merkte an, dass Car-Sharing durchaus hilfreich sei, um die Anzahl von Autos in individuellem Besitz zu verringern. Jedoch müsse hier auch kritisch geprüft werden, inwieweit Car-Sharing einen Anreiz bietet, eher mal ein Leih-Auto zu nehmen, für einen Weg, der ehemals mit Rad oder ÖPNV zurückgelegt worden wäre.

Wichtige Aspekte, die im Zuge der Vernetzung des Automobils ebenfalls diskutiert werden müssten, bisher jedoch kaum Beachtung finden, sind nach Auffassung mehrerer Diskutanten Datenschutz und Ressourcen. Bezüglich Datensicherheit bei vernetzter Mobilität müssten die vielen involvierten Branchen gemeinsam mit der Politik eine Strategie entwickeln. Grundvoraussetzung sei hier Transparenz, um Akzeptanz herzustellen. Bezüglich der notwendigen Rohstoffe für digitale Anwendungen müsse neben der Frage der Endlichkeit von seltenen Erden auch über die sozialen und ökologischen Bedingungen gesprochen werden, unter denen diese gefördert werden.

Das Panel konstatierte einstimmig, dass bei der Produktion von Automobilen eine klare Verschiebung der Wertschöpfungsketten zu erkennen sei. Software spielt eine immer größere Rolle und so müssten Automobilhersteller immer mehr mit entsprechenden IT-Anbietern zusammenarbeiten. Die notwendige Versorgung mit flächendeckendem Breitband, also der erforderlichen digitalen Infrastruktur, wurde mit großer Zustimmung in der Diskussionsrunde als Daseinsvorsorge bezeichnet und dürfe daher nicht alleinige Aufgabe der Telekommunikationsunternehmen sein.

Als ein großer Vorteil des vernetzten Autos im innerstädtischen Verkehr wurden intelligente Parkraumlösungen genannt, die weitreichende Einsparpotenziale bezüglich Zeit, CO2-Emissionen und gefahrenen Kilometern bieten. Während die Autohersteller in mittelfristiger Perspektive eher an hochautomatisierte Autos glauben, sieht Google bereits den Weg für selbstfahrende Autos und investiert hier beträchtlich in Forschung. Dazu merkte ein Diskutant an, dass rechtliche Regelungen in Bezug auf Datenumgang im Zuge der Automatisierung im Gütertransport wesentlich leichter zu gestalten seien und dort zumal die größten Potenziale für eine Emissionsreduzierung durch autonome Fahrlösungen zu erzielen seien.

Insgesamt wurden in der Diskussion vielfältige Aspekte rundum das vernetzte Auto angesprochen, die sowohl Potenziale als auch Herausforderungen aufzeigten. Es wird sich viel tun in diesem Bereich – eine gesellschaftliche wie politische Begleitung ist hier unerlässlich. Daran wirken wir Grüne mit!