Share Economy zwischen sozialer Innovation und Plattformkapitalismus – Diskussion mit Fabien Nestmann von Uber

Wie verändert die Plattform Uber unser Mobilitätsverhalten? Und wie muss Regulierung aussehen, damit neue Anbieter kreative Konzepte umsetzen können, gleichzeitig aber Fragen der sozialen Absicherung der Fahrer gewährleistet werden. Darüber habe ich am 18. November mit Fabien Nestmann, Sprecher von Uber in Deutschland, und rund zwei Dutzend interessierten Gästen im Wahlkreisbüro diskutiert.

Eingangs berichtete Fabien Nestmann über das Geschäftsmodell von Uber, die verschiedenen Dienstleistungen der Plattform mit dem Limousinen-Service Uber Black, dem umstrittenen Angebot Uber Pop und dem Mitfahrangebot Uber Pool. Auf die Frage eines möglichen Monopols durch Uber wies er darauf hin, dass in den USA bereits Konkurrenzanbieter auf dem Markt erfolgreich seien. Gefragt nach der Rolle von Google als Investor betonte er, dass der amerikanische Suchmaschinenanbieter nur eine untergeordnete Rolle bei den Venture-Capital-Gebern spiele.

Uber als Teil der Verkehrswende?

Mich interessiert ein Anbietern wie Uber vor allem vor einem Aspekt: Kann eine Plattform wie von Uber einen Beitrag zur Verkehrswende liefern? Der Ansatz „Nutzen statt Besitzen“ steht für eine grundlegende Veränderung unseres Mobilitätsverhaltens – und kann Element einer grundlegenden Verkehrswende sein. Mit dem Car Sharing ist der Ansatz „Nutzen statt Besitzen“, ist die Share Economy, bereits ein wichtiges Element für nachhaltige Mobiltität. Uber und Co. könnten eine spannende, innovative Ergänzung darstellen, ein weiterer Baustein in einer breiten Palette von Mobilitätsangeboten. Gerade auch im ländlichen Raum, wo der ÖPNV schwach und der Ausbau nur begrenzt möglich und finanzierbar ist, ein möglicher Ansatz. Voraussetzung dafür: Uber muss sich kritischen Fragen zu seiner Geschäftspolitik stellen – und Lösungen anbieten, beispielsweise bei der Absicherung der Fahrer (siehe auch Gastkommentar: “Ökonomie des Teilens braucht Freiräume“).

Offene Frage klären

Die Diskussion beleuchtete verschiedene Facetten von Ubers Geschäftsmodell – zum Teil sehr kritisch. Welche Anforderungen stellt Uber an seine Fahrer? Wie lassen sich die Preise (durchschnittlich rund 30 % günstiger als Taxi) überhaupt ohne Ausbeutung realisieren? Sind die Fahrer eher im Nebenerwerb für Uber tätig oder in Vollzeit? Und wie sehen die Geschäftszahlen des Unternehmens aus. Neben Kritik war in der Diskussion zum Teil auch viel Zustimmung zu Ubers Ansatz erkennen.

Fabien Nestmann stellte sich den kritischen Fragen – an einigen Punkt, bei den genauen Geschäftszahlen beispielsweise – verbat die Unternehmenspolitik einen tieferen Einblick. Beim Thema Preise argumentierte er mit der hohen Effizienz des Matchings von Angebot und Nachfrage. Bei den bestehenden Fragen zur Zulassung der Fahrer – Stichwörter sind Sehtest, ärztliches Attest und Personenbeförderungsschein – zeigte er sich offen, Ubers Anforderungen nachzuschärfen. Auch ein Gewerbeschein als Voraussetzung für die Tätigkeit als Uber-Fahrer erschien ihm überlegenswert.

Mein Fazit

Eine gute kritische Diskussion mit offenen Worten – insofern in meinen Augen ein gelungener Abend. Ich sehe durch Share Economy und Mobilitätsplattformen wie Uber ein großes Potenzial für die ökologische Verkehrswende. Gerade deshalb ist es wichtig, dass die Arbeitsbedingungen für die Fahrer klar und sicher geregelt sind. Die Digitalisierung revolutioniert auch unsere Arbeitswelt – das bietet für die Einzelnen und die Gesellschaft viele Chancen – wir müssen aber auch achtgeben, dass wir mit Digitalisierung und Plattform-Ökonomie keinen Boom bei prekären Arbeitsverhältnissen bekommen.