Zwischen Datability und smarten Technologien für die ökologische Transformation Impression von der CeBIT 2014

„Datability” ist der Leitbegriff der CeBIT 2014. Datability meint die Fähigkeit, große Datenmengen – Big Data – in hoher Geschwindigkeit verantwortungsvoll zu nutzen. Big Data bietet enorme Potenziale für die ökologische Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft z.B. bei Smart Home, Smart Cities u.v.m. Aus deutscher, aus europäischer Sicht ist aber klar: Die Verheißungen von Big Data werden sich nur erfüllen, wenn unsere Daten sicher sind.

Von Sonntag auf Montag habe ich die Gelegenheit genutzt, gezielte Eindrücke vor Ort zu sammeln, auch im Hinblick auf meine künftige Arbeit im Bundestagsausschuss für Digitale Agenda. Vor elf Jahren war ich das letzte Mal auf der CeBIT, damals noch als PR-Berater für IT-Firmen, insbesondere aus der Security-Branche. Elf Jahre sind in der IT eine lange Zeit — Facebook ist gerade mal zehn Jahre alt. IT-Sicherheit war damals eher ein Thema für Eingeweihte – dank den Enthüllungen von Edward Snowden, dank der Debatte um Facebook, Google und Co. sind Datenschutz und Sicherheit heute zentrale Themen für die Branche.

Datenschutz erfolgskritisch für Unternehmenserfolg

Informationelle Selbstbestimmung ist ein Grundrecht, für viele Unternehmen ist die Sicherheit ihrer Daten schlicht eine Frage des wirtschaftlichen Erfolgs. Nach der Übernahme von WhatsApp durch Facebook konnte der kleine Konkurrent Threema innerhalb kürzester Zeit seine Nutzerzahlen mehr als verdoppeln und führt die iTunes-Charts in Deutschland und Österreich an. Laut einer Befragung des Bundesverbands Digitalwirtschaft aus dem Februar ist der Schutz und die Sicherheit von Daten für 43 % ein zentrales wirtschaftliches Thema. Nach der Netzneutralität ist Datenschutz damit das zweitwichtigstes Thema der Branche.

Sichere Telefonie: Mit Secusmart setzt snom technolgy abhörsicherere Standards

Beim Umgang mit Big Data müssen wir sicher noch viel lernen – Big Data und Industrie 4.0 bieten aber enorme Zukunftschancen, für die deutsche Wirtschaft und für die ökologische Transformation. Rund um Datenschutz und IT-Sicherheit ergeben sich zahlreiche neue Geschäftschancen, beispielsweise für Anwendungen für sichere Telefonie.

Unternehmer und Forscher als Transformateure

Getroffen habe ich auf der CeBIT zahlreiche Gründer, Unternehmer und Wissenschaftler, die mit ihren Technologien und Produkten Teil der Transformation sein können. Mein Leitinteresse auf der CeBIT: Wie können wir digitale Lösungen einsetzen, um effizienter mit Energie, mit Ressourcen umzugehen? Neue Technologien alleine machen noch keine ökologische Transformation, sind aber dennoch erfolgskritisch für ihr Gelingen. Die Global e-Sustainability Initiative (GeSI) rechnete 2008 vor, dass mit Hilfe des Informations- und Kommunikationssektors bis 2020 rund 7,8 Gigatonnen CO2 eingespart werden können. Da haben sich bislang nicht alle Erwartungen erfüllt, aber manches klingt doch sehr vielversprechend, z.B.:

Windräder mit Laservibrometrie aus der Ferne vermessen – bei der Fraunhofer Gesellschaft

Smart City als soziales Netzwerk

Mit LeanCiti arbeitet das israelischen Unternehmens SangamTech an der „Smart City“ – also der digitalen Vernetzung für Nachhaltigkeit, Energie- und Ressourceneffizienz. Die Plattform ermöglicht es den Nutzern, alle Daten über den Ressourcenverbrauch in Kommunen in einem sozialen Netzwerk zu teilen. Der Ansatz: Daten über die Erzeugung von erneuerbarer Energie, den Wasserverbrauch, die Auswertung des Stromverbrauchs durch Smart Meter in Haushalten und Büros helfen der Verwaltung, den Infrastrukturbetreibern wie anderen Unternehmen, die richtigen Investitionen zu tätigen und Ressourcen zielgenau einzusetzen. Als soziales Netzwerk bietet LeanCiti.com auch Haushalten hilfreiche Vergleichsdaten und Informationen vom Stromkostenvergleich bis zur ÖPNV-Nutzung.

Technologie für das smarte Zuhause

Ebenfalls besucht habe ich den Stand von digitalSTROM. Das deutsch-schweizer Unternehmen entwickelt Smart-Home-Technologien für Zuhause. Die elektronischen Geräte sollen nicht nur den Komfort, sondern auch die Energieeffizienz und Sicherheit des vernetzten Gebäudes erhöhen. Die Vernetzung funktioniert auf Basis des bestehenden 230-Volt-Stromnetzes und macht es so für Partnerunternehmen einfacher, neue Produkte und Services rund um vernetztes und modernes Wohnen zu entwickeln.

Dem Thema Smart House widmet sich auch die Fraunhofer Gesellschaft – überzeugend demonstriert mit Lego

Spannend auch die Arbeit des Innovationszentrum Connected Living e.V. Dort entwickeln rund 50 Mitgliedsunternehmen und -organisationen branchen- und herstellerübergreifende Lösungen für die intuitive und intelligente Heimvernetzung zwischen Geräten wie TV, PC, Heizung, Herd und Kühlschrank. Die bisher getrennten Welten der Heimautomatisierung, Unterhaltungselektronik und Informations- und Kommunikationstechnik wachsen zusammen – und das bietet auch Effizienzpotenziale.

Im Gespräch beim Innovationszentrum Connected Living mit Prof. Sahin Albayrak

Daten für Investitionsentscheidungen

Spannend war es auch bei Mapegy UG aus Berlin, gesprochen habe ich dort mit Luis Sperr und Dr. Peter Walde. Die Entrepreneurs des digitalen Wandels analysieren die Treiber und die Akzeptanz von Technologien – basierend auf Daten und Fakten aus Abermillionen von Dokumenten (unter anderem Patenten, Technologien-Neuigkeiten oder Beiträgen in Sozialen Netzwerken) und bieten so strategische Entscheidungshilfe für Investitionen.

Schlusslicht


Zu einem Aspekt der CeBIT reicht es dann doch, wenn ich das Bild sprechen lasse. Ich sage nur so viel: die beiden sitzungsfreien Wochen vor der CeBIT war ich in München und Bayern unterwegs. Kommunalwahlkampf. Frühlingswetter. Biergartensaison. Da ist man anderes gewöhnt.