Share Economy ist mehr als Uber und Airbnb

09.03.2017
Das ökologisch-soziale Potenzial der Share Economy nutzen

Zu den aktuell vorgelegten Vorschlägen der Großen Koalition zum Thema Share Economy, mit denen sich heute auch der Bundestag befassen soll, erklärt Dieter Janecek, Sprecher für Wirtschaftspolitik:

Für die Große Koalition ist der Begriff Share Economy offensichtlich nur ein Platzhalter für Uber und Airbnb. Die Vielfalt der Szene und die zahlreichen, innovativen Social Entrepreneurs und grünen Gründungen klammert sie in ihrem Antrag aus. Stattdessen konzentriert sie sich auf große Plattformen, vor allem im Bereich der Vermittlung von Dienstleistungen, und die Beschreibung der in diesem Zusammenhang bekannten Problemstellungen. Und selbst dort, wo sie von Chancen spricht, versteht sie unter Share Economy offensichtlich nicht mehr als einen Marktsektor von vielen, den sie dann in guter Tradition nach ihren klassischen Kriterien für wirtschaftlichen Erfolg bemisst und ihm auch zukünftig Wachstum prognostiziert.

Dabei geht gerade der Ansatz, die Chancen der Share Economy unter dem Titel Wachstumspotentiale zu diskutieren, völlig am Kern der Szene vorbei und zeigt wieder einmal, wie wenig sich die Große Koalition unter dem Thema nachhaltiges Wirtschaften vorstellen kann und wie schwer sie sich tut, moderne Antworten auf die Digitalisierung zu finden. Es ist alleine schon nicht mehr zeitgemäß, im Bereich der klassischen Ökonomie wirtschaftlichen Erfolg ausschließlich mit Blick auf quantitatives Wachstum, und Innovation in erster Linie über die Zahl von Neugründungen zu messen. Das aber bei der Share Economy zu tun, die ja nicht zufällig in einem engen Zusammenhang mit konsum- und wachstumskritischen sozialen Bewegungen steht, muss als komplette Themaverfehlung gewertet werden.

Das eigentliche Potential der Share Economy liegt ganz woanders: Sie ermöglicht ressourcenschonende Lebensentwürfe, nachhaltige Mobilität und lässt neue Einstellungen zu Konsumgütern entstehen. Deshalb geht es darum, die ökologischen Chancen zu nutzen und Teilen statt Besitzen zu unterstützen. Die Ideen und Konzepte der solidarischen Wirtschaft müssen endlich Einzug in die klassische Wirtschaftspolitik finden, Modelle des gemeinwohlorientierten Teilens müssen politisch gestärkt und durch gezielte Maßnahmen mehr Freiräume erhalten. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat dazu deshalb einen eigenen Antrag vorgelegt.

Hintergrund

Die Debatte auf einen Blick

Antrag Bündnis 90/Die Grünen

Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD