Wie groß ist das Mother Pay Gap?

Gastbeitrag für GRETA - dem Mitgliedermagazin der Münchner Grünen

15.12.2016

Noch 170 Jahre wird es dauern, bis Frauen weltweit die gleichen Chancen haben werden – so steht es im jüngst veröffentlichten Gender Gap Report (World Economic Forum, 2016). Zumindest, wenn das derzeitige Tempo der Gleichstellung der Geschlechter beibehalten wird. Deutschland landet beim Ranking auf Platz 13. Frauen verdienen in Deutschland für gleiche Arbeit noch immer 12 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Gender Pay Gap – also der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen ist mit 21 Prozent noch größer, Deutschland gehört auch im EU-Vergleich zu den Schlusslichtern. Hier spielen insbesondere die Lohnunterschiede zwischen typischen Männer- und Frauenberufen eine Rolle.

Equal Pay ist kein neues Thema, gerade nicht für uns Grüne. Viele Ursachen haben wir in den letzten Jahren benannt: Unverhohlener und verdeckter Sexismus, erlerntes männliches Dominanzverhalten, das oft noch als Führungsstärke missverstanden wird, das Fehlen von Netzwerken, .... Und natürlich wissen wir nicht erst seit gestern, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein wichtiger Faktor ist, denn meist sind es eben Frauen, die einen Großteil der Familienarbeit schultern.

Welchen Anteil hat der Faktor “Elternschaft” aber am Gender Pay Gap? Den Entscheidenden, stellt die Politikwissenschaftlerin Anne-Marie Slaughter fest, zumindest in den USA. 2015 sorgte die Professorin an der Princeton University und ehmalige Planungschefin von US-Außenministerin Clinton mit ihrem Buch “Unfinished Business: Women Men Work Family 2015 für einiges Aufsehen. Ihre These: Mutterschaft ist ein deutlich besserer Indikator für Lohnungleichheit als Geschlecht. Frauen verdienen demnach in den USA zwar grundsätzlich weniger als Männer, kinderlose Frauen verdienen aber “nur” noch 4 Prozent weniger als ihre männliche Kollegen. Bei Frauen mit Kindern beträgt dieser Unterschied hingegen 24 Prozent. Besonders groß sind die Unterschiede in Berufen mit hoher Präsenzkultur, wie eine Studie unter Absolventinnen der US-Elite-Universität Havard zeigt. BWL-Absolventinnen, die in ihren ersten 15 Berufsjahren eine 18-monatige Familienzeit einlegten, büßten beispielsweise 41 Prozent ihres Gehaltes ein, Juristinnen 29 Prozent. Bei Berufsgruppen mit geringerer Präsenzkultur haben sich die Gehälter dagegen nahezu angeglichen (Claudia Goldin, A Grand Gender Convergence: Its Last Chapter. 2014). Ähnliches Bild auch in Großbritannien: Laut Nationalem Statistikamt verdienen Frauen im Altern zwischen 22 und 29 sogar geringfügig mehr als Männer – dank besserer Ausbildung. Der Gehaltsabsturz kommt erst später. Mütter, die nach der Elternzeit in den Job zurückkehren, verdienen langfristig knapp ein Drittel weniger als ihre männlichen Kollegen (Insitute for Fiscal Studies, 2015).

Wie sieht eine Lösung aus? Natürlich müssen wir weiterhin auf all das setzen, was sich im Kampf um die Gleichstellung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz bewährt hat. Letztlich müssen wir aber grundsätzlich über die Arbeitswelt nachdenken. Wir brauchen ein anderes Verständnis von Präsenzkultur und eine Neudefinition von Vollzeitarbeit, um echte Arbeitsteilung unter Eltern ermöglichen. Dank der in den letzten 150 Jahren erreichten Produktivitätsgewinne sollte das auch möglich sein. Slaughter kommt zum Schluss, dass Beruf und Familie vereinbar und gerechte Partnerschaft möglich sind, aber nicht in einer auf unendlicher Geldvermehrung ausgerichteten Arbeitswelt.

Der Artikel ist Anfang Dezember als Beitrag für GRETA, dem Mitgliedermagazin der Münchner Grünen, erschienen.

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